Die Geburtsstunde des Gewandhaus-Quartetts schlug im Jahr 1808, als der Violinist August Matthäi mit drei weiteren Musikern des Gewandhausorchesters Quartettabende zu veranstalten begann. Somit kann das Gewandhaus-Quartett heute auf eine Geschichte von mehr als 200 Jahren zurückblicken, denn es setzte seine Tätigkeit – sich von Generation zu Generation erneuernd und immer wieder verjüngend – ohne Unterbrechung bis zur Gegenwart fort. Es ist eines der ältesten Streichquartettensembles der Welt und mit Sicherheit das einzige, das einen so langen Zeitraum überdauert hat.

Aktuell musiziert das Ensemble in der Besetzung Frank-Michael Erben, Conrad Suske, Anton Jivaev und Leonard Frey Maibach. Neben den Auftritten im eigenen Haus konzertierte das Gewandhaus-Quartett mit großem Erfolg auf Kammermusikfestivals in vielen Ländern Europas, in Japan, den USA und Südamerika. In Privataudienz gaben die vier Musiker Konzerte vor dem japanischen Kaiser Akihito und dem britischen Thronfolger Prinz Charles, Bundespräsident Roman Herzog begleiteten sie auf seinem Staatsbesuch in Argentinien, mit der japanischen Fernsehgesellschaft NHK entstanden Filmproduktionen klassischer Musik. Im Juni 2006 gastierten sie, von einem Kamerateam des MDR begleitet, auf Einladung des spanischen Königs Juan Carlos in Madrid und gaben im Palacio Real ein Konzert mit einem im Jahr 1709 von Antonio Stradivari gebauten Instrumentenquartett aus dem Besitz des spanischen Königshauses. 2016 erfolgte eine Wiedereinladung durch den spanischen Palast.

Immer wieder musiziert das Gewandhaus-Quartett auch mit namhaften Solisten, unter ihnen Yo Yo Ma, Julian Rachlin, Sabine Meyer, Elisabeth Leonskaja, Alfred Brendel, Menahem Pressler, Rudolf Buchbinder, Lars Vogt oder Alfredo Perl. Damit setzt es eine gute Tradition fort – gehörten doch zu seinen Partnern einst Künstler wie Clara Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms, Max Reger und Arthur Nikisch, um nur einige zu nennen.

Seit Anfang seines Bestehens setzt sich das Gewandhaus-Quartett für die Musik seiner Zeitgenossen ein. In der Vergangenheit wurden Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Max Bruch, Antonín Dvorák, Max Reger und Ferruccio Busoni, in jüngerer Zeit von Olav Kröger, Günter Kochan, Ermano Maggini, Dietmar Hallmann und Günter Neubert uraufgeführt. Auch der langen Reihe von Plattenaufnahmen des Gewandhaus-Quartetts konnte das Ensemble wertvolle Neuerscheinungen hinzufügen.

Die Aufnahme der späten Quartette von Beethoven wurde von der Zeitschrift „Klassik heute“ als „maßstabsetzende Interpretation“ und das Gewandhaus-Quartett als „eine der besten Quartettvereinigungen der Welt“ bezeichnet. Das gesamte Streichquartettwerk Beethovens liegt in einer attraktiven 10-CD-Box vor. Diese Edition, die erste Gesamteinspielung von Beethovens Streichquartettwerk in der Geschichte des Gewandhaus-Quartetts, wurde 2004 mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie Kammermusik ausgezeichnet. Die Aufnahme der drei Streichquartette op. 76 Nr. 2-4 von Joseph Haydn wurde vom Sender „Bayern 4 Klassik“ mit der Auszeichnung „Hörempfehlung“ prämiert. Weiterhin erschienen Aufnahmen mit Streichquartetten von Schumann und Mendelssohn, die das Gewandhaus-Quartett seinerzeit zur Uraufführung brachte. Anlässlich seines 200. Geburtstages brachte das Ensemble ein Album mit Live-Aufnahmen heraus, darunter eine historische Aufnahme von 1928. Zum 200. Geburtstag Felix Mendelssohn Bartholdys erschien das komplette Streichquartettwerk des Komponisten.

Seit 2012 ist das Gewandhaus-Quartett Ehrenmitglied des Vereins der Freunde des Beethoven-Hauses Bonn. Dem Gewandhaus-Quartett wurde im September 2014 der „Internationale Mendelssohn-Preis “ der Stadt Leipzig, in der Kategorie Musik, verliehen.




Heinrich August Matthäi, Gründer des Gewandhaus-Quartetts




Abendprogramm des Gewandhaus-Quartetts von 1842




 

Der Kammermusiksaal
im „Neuen Gewandhaus“ (1884 eingeweiht, 1944 zerstört)

Das Gewandhaus-Quartett in einer legendären Besetzung: (v.l.) Edgar Wollgandt (Violine), Julius Klengel (Cello), Carl Herrmann (Viola) und Karl Wolschke (Violine)



GÄSTE IN DEN KONZERTEN DES GEWANDHAUS-QUARTETTS
( Auswahl )


William Sterndale Bennett · Fritz von Bose · Johannes Brahms · Fritz Busch · Ferruccio Busoni · Eugen d’Albert · Ernst von Dohnányi · Heinrich Wilhelm Ernst · Niels W. Gade · Edvard Grieg · Ferdinand Hiller · Salomon Jadassohn · Wilhelm Kempff · Franz Konwitschny · Felix Mendelssohn Bartholdy · Ignaz Moscheles · Elly Ney · Arthur Nikisch · Hans Pfitzner · Max Reger · Carl Reinecke · Julius Rietz · Anton Rubinstein · Charles-Camille Saint-Saëns · Clara Schumann · Alexander Siloti · Bruno Walter · Joseph Wieniawski



 URAUFFÜHRUNGEN
( Auswahl )

Max Bruch · Quartett c-Moll, op. 9 (1859)

Ferruccio Busoni · Quartett Nr. 2, d-Moll, op. 26 (1888)

Antonín Dvorák · Quartett f-Moll
(nachgelassenes Werk, bearbeitet von Günter Raphael, 1929)

Niels W. Gade · Quintett e-Moll, op. 8 (1845)

Salomon Jadassohn · Klavierquintett Nr. 3, g-Moll, op. 126 (1896, Klavier: Salomon Jadassohn)

Julius Klengel · Sextett d-Moll, op. 60 (1922)

Felix Mendelssohn Bartholdy · Quartett D-Dur, op. 44,1 (1839); Quartett Es-Dur, op. 44,3 (1838)

Max Reger · Sextett F-Dur, op. 118 (1911); Klavierquartett
a-Moll, op. 133 (1915, Klavier: Max Reger)

Carl Reinecke · Klavierquintett op. 83 (1865, Klavier: Carl Reinecke); Quartett D-Dur, op. 211 (1892)

Anton Rubinstein · Quartett B-Dur, op. 47,2 (1856);
Quintett F-Dur, op. 59 (1860)

Robert Schumann · Quartett a-Moll, op. 41,1 (1843)
Klavierquintett Es-Dur, op. 44 (1843, Klavier: Clara Schumann)
Klavierquartett Es-Dur, op. 47 (1844, Klavier: Clara Schumann)